Richard Blank
pst! / Feind hört mit Deutschland,
1943/44 WW-Verlag, Berlin
Offsetdruck 58,2 x 42 cm
Die Kampagne „pst! Feind hört mit“ wurde im Jahre 1943 mit großem Aufwand gestartet. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich für das NS-Regime bereits die Tatsache ab, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Auch die Propagandamaschinerie änderte ihre Richtung: Die Kampagne ist Bestandteil des Übergangs von der Sieges- zur Durchhaltepropaganda. Durch die Ausformulierung des Schattenmannes und der Herausbildung des charakteristischen „pst!“-Signets in gelber Schrift trug Richard Blank wesentlich zu ihrer unbestritten großen Wirkung bei. Beide Elemente stehen formal im Widerspruch zu der realistischen Zeichnung. Aus diesem Zusammenspiel ließ sich eine scheinbar latent vorhandene Bedrohung konstruieren, Gefahr suggerieren und so aus der vagen Andeutung konkreter propagandistischer Nutzen ziehen. Die Kampagne vermochte binnen weniger Monate einen von der gesamten Bevölkerung akzeptierten Code für das Ungewisse und die darin verborgene Gefahr zu schaffen. Der Erfolg dieser Kampagne scheint die Thesen zur Massenpsychologie zu bestätigen: „Die Kunst, die Einbildungskraft der Massen zu erregen, ist die Kunst sie zu regieren“ (Gustave le Bon, 1881-1931).
Blank, Richard (1901-1972)
Gebrauchsgrafiker (Deutschland)
Studium an der Staatlichen Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in Berlin, u.a. bei Emil Orlik. 1920, zusammen mit Eberhard Hölscher (ab 1924 Herausgeber der „Gebrauchsgraphik“) Mitbegründer des „Bundes Deutscher Gebrauchsgraphiker“ (BDG), USA-Aufenthalt, 1923-1942 Arbeit für große Verlage (Ullstein, Scherl, Mosse), 1942-1945 Soldat im Zweiten Weltkrieg. 1943, Ausbombung des Ateliers. 1945-1948 Mitarbeit und künstlerischer Beirat beim „Tagesspiegel“ und der „Berliner Illustrierten Zeitung". Ab 1948 Lehrer, ab 1949 (bis 1969) Professur an der „Hochschule der Bildenden Künste“ (HdK) in Berlin. 1952 erster Preis im Wettbewerb um ein neues Berliner Wappen. Bis 1955 Sachverständiger für Urheberechtsfragen der bildenden Künste und Fotografie. 1956 neues Corporate Design für den Verlag Langenscheidt (blaues L auf gelbem Grund), Plakatpreis für das Berlin-Plakat „Berlin kennen, sehen, lieben“. Umfangreiches grafisches Werk: Plakat, Illustration, Schallplattenhüllen, Briefmarken.


