Christian Rohlfs
Große Canna indica Wassertempera 1935
Von 1929 an bis zu seinem Tod 1938 lebte Rohlfs aus gesundheitlichen Gründen neun Monate des Jahres in Ascona am Lago Maggiore, wo er direkt am See eine Wohnung gemietet hatte. Er war lange, trotz ärztlichem Rat, gegen einen Aufenthalt in Italien gewesen, weil er einen negativen Einfluss der für ihn fremden Umgebung auf sein Werk fürchtete. Es sollte sich aber zeigen, dass sowohl das Klima, als auch die üppige Vegetation und die landschaftliche Formen dieser Region Italiens sich inspirierend auf das künstlerische Schaffen auswirkten.
In seinem in Italien entstandenen Werk dominiert entschieden die Malerei in Wassertempera über die Ölmalerei. Strahlende Blumenbilder mit zum Teil glühenden Farben wie die Canna indica werden zum Hauptthema. Die vegetabilen Formen werden in ein System weitgehend selbständiger Pinselzüge übersetzt, die dem Bild bewegte Strukturen verleihen. Den Hauptanteil an der bewegten Wirkung dieser Bilder hat die malerische Wiedergabe des Lichts, der sich der Maler besonders in der Spätzeit unter dem Eindruck der südlichen Sonne zuwandte.
Das leuchtende Rot der Canna indica wirkt wie ein Fanal. Das Rot ist in seiner Konzentration bildbestimmend. Alle anderen Farben dienen lediglich dazu, die Strahlkraft der Blüte zu steigern. Die Vereinzelung der Blume, die durch eine ungeheure Farbintensität empfunden und neu erlebt wird, bedeutet eine Verdichtung der realen Welt. Die Vielfalt der Erscheinung bekommt in der Isolierung ihr Bedeutung, sie wird wesenhaft und zeitlos gültig. Hier in Ascona entwickelte Rohlfs seinen typischen, von einem sensiblen Farbempfinden geprägten Altersstil.


