Erich Heckel

Stehendes Kind Farbholzschnitt 1911

Heckels Absage an eine kleinteilige und differenzierte Darstellung und der Mut zur ‚leeren’ Fläche lässt sich am Beispiel des Holzschnitts „Stehendes Kind“ gut demonstrieren. Das Blatt lebt von den kräftigen Farbkontrasten und flächigen Formen. Die unregelmäßigen, weißen Linien, die an manchen Stellen die Farbe gegeneinander abgrenzen, sind bedingt durch den Druckvorgang: Heckel zersägte das fertige Langholz, färbte die einzelnen Teile ein und setzte sie für den Druck wieder zusammen. Das Ergebnis ist nicht zufällig, sondern vom Künstler bewusst gesucht.

Dieses neue Druckverfahren, das den Intentionen Heckels entgegen kam, betont die flächenhafte Wirkung der Farben, ihre ausgesprochen starke Intensität, und harmonisiert den Kontrast zwischen Figur und abstraktem Bildgrund. Durch die Betonung der Fläche bleiben die Raum- und Zeitbezüge des Motivs unbestimmt, wodurch seine Gegenständlichkeit mit einer zeichenhaften Bedeutung aufgeladen wird. Die Farbe dient nicht der materiellen Bestimmung des Dargestellten oder seiner stofflichen Beschreibung, sie bekommt vielmehr ihre eigene sinnliche Qualität und ist auf die Gesamtwirkung zu beziehen.

Perseus 1941
© Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen 2007
 
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