Ernst Ludwig Kirchner
Rappenhengst Lithographie 1907
1909 hatte Kirchner in seinem grafischen Werk zu einem sehr eindringlichen Flächenstil gefunden. Dabei erreicht seine Grafik nicht selten ein großes, bildhaftes Format. Die klar gegliederten, auf wenige Kompositionselemente reduzierten Einheiten sind dennoch spontan gezeichnet. Die scharf gezogenen Konturlinien, die aus dem Bewegungsimpuls heraus entwickelt sind, grenzen die Flächenzonen ein und geben dem Blatt Festigkeit. Die Lithografie zeigt eine erstaunliche Beherrschung der Technik. Es wäre verfehlt, es als Vervielfältigung einer Zeichnung anzusehen. Man beachte, wie Kirchner die Bewegung und Dichte der einzelnen Linien variiert, wie er die verschiedenen Tonwerte von Schwarz und Grau einsetzt, wie die Flächen des Steins in ihrer zarten Körnigkeit mitwirken und für die künstlerische Gestaltung des Druckes genutzt werden. Unschwer kann man darin die Hand eines genialen Grafikers erkennen.


