09.09.2012 - 12:00 Uhr
Tumbletalks
Künstler und Künstlerinnen der Ruhrtriennale im Museum Folkwang
tumbletalk 5 Jan Lauwers / Hans Thies Lehmann
Jan Lauwers , 1957 in Antwerpen, Belgien, geboren, studiert Malerei an der Kunstakademie in Gent. 1979 gründet er das Epigonenensemble, das 1981 in das Kollektiv Epigonentheater zlv (›zonder leiding van‹, dt: ›ohne die Leitung von‹) umgewandelt wird und zum radikalen Wandel der flämischen Theaterszene in den frühen 1980er Jahren beiträgt. 1986 gründet er gemeinsam mit Grace Ellen Barkey die Needcompany, mit der er eine einzigartige Theaterästhetik entwickelt, die sich auf der Grenze zwischen Theater, Tanz, Performance und bildender Kunst bewegt. Sowohl in der Zusammensetzung der Schauspieler als auch in der Arbeitsweise ist die Needcompany international orientiert; von Anfang an wurde jede Produktion in verschiedenen Sprachen aufgeführt. Der internationale Erfolg stellte sich bald ein. Während die ersten Arbeiten - etwa Need to know (1987) und ça va (1989) noch stark visuell geprägt sind, gewinnt im Folgenden die erzählerische Linie und die Herausarbeitung eines zentralen Themas an Bedeutung, wobei die fragmentierte Struktur aber beibehalten wird. Lauwers' Hintergrund in der bildenden Kunst bestimmt seinen Umgang mit dem Medium Theater und verantwortet sein höchst individuelles, in mehrfacher Hinsicht innovatives theatralisches Idiom. Ein Hauptcharakteristikum ist dabei das transparente, ›denkende‹ Spiel der Darsteller, die Thematisierung des Paradox zwischen Spielen und Nicht-Spielen.
Hans-Thies Lehmann, Professor für Theaterwissenschaft (emeritiert) Nach dem Studium der Germanistik und Philosophie Wissenschaftlicher Assistent am Seminar für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Berlin, dort Promotion. Lehraufträge für Ästhetik an der Hochschule der Künste Berlin; Gastprofessuren für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Amsterdam. Hochschulassistent am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Universität Gießen, Mitarbeit am Aufbau dieses praxisbezogenen Studiengangs zusammen mit Prof. Andrzej Wirth. Nach der Habilitation 1988 Universitätsprofessor für Theaterwissenschaft an der J. W. Goethe-Universität Frankfurt/Main, dort führend am Aufbau des Hauptfach-Studiengangs Theater-, Film- und Medienwissenschaft beteiligt. 2002 gründete er hier den Aufbaustudiengang Dramaturgie.
Die Ruhrtriennale ist eine große Zusammenhangmaschine. Ihre Erlebnisweise zielt auf das wilde Nebeneinander von Menschen, Sprachen, Räumen, Formen und Materialien ab. Die Dichte von Aufführungen und Aktionen, ihre mehr oder weniger zufällige Abfolge eröffnen für das Publikum eine ästhetische Unendlichkeit. In den Tumbletalks (von engl. tumble, Unordnung, Durcheinander) trifft Tanz auf Tableau, Video auf Literatur, Architektur auf Klimakultur, der Osten auf den Westen, der Künstler auf einen anderen Künstler oder auf seinen Komplizen, den Kurator.
In einem Festival haben Gespräche mit Künstlern eine schöne, poetische Funktion. Sie sind ein fragiler Balance-Akt, an dem das Publikum teilhat. Dabei spielen sich die Konversation und das Kunstwerk gegenseitig den Ball zu: Vom Sehen zum Bild, vom Beobachten zur Bewegung, vom Reisen zum Machen und wieder zum Reisen, vom Privaten zum Öffentlichen, vom Alltag zur Kunst. Was bedeutet, die Kunst des Redens als eine andere Variante des zeitgenössischen Kunstwerks anzuerkennen. Als eine, die mit ihren Gegenspielern spielt, mit der Erklärung und der Lektion.
Teilweise in englischer Sprache. Anmeldung möglich: tumbletalks@ruhrtriennale.de Eine Kooperation mit dem Kunstring Folkwang, Verein der Freunde des Museum Folkwang. Der Eintritt ist frei.