Der „Blaue Reiter“ ging aus der „Neuen Künstlervereinigung“ in München hervor, nachdem es zwischen ihren Mitgliedern zu Streitigkeiten gekommen war. Nach Aussage Kandinskys wurde der Name von ihm und Franz Marc in Sindelsdorf am Kaffeetisch erfunden, weil beide das Blau liebten, Marc die Pferde und Kandinsky die Reiter. Kandinsky war aber der geistige Urheber der Vereinigung. Dabei ging es, anders als bei der „Brücke“, mehr um die Befreiung der bildnerischen Sprache als um den Ausdruck von Gefühlen. Die Mitglieder des „Blauen Reiters“ sollten unabhängig und individuell schaffen und nicht wie die Maler der „Brücke“ einen Kollektivstil anstreben.
1913 erschien im Verlag R. Piper in München das Buch „Klänge“, eine Sammlung von 38 Prosagedichten, 43 schwarz-weißen und 12 Farbholzschnitten. Wie die zwischen 1908 und 1913 entstandenen Gedichte datieren auch die Holzschnitte aus verschiedenen Jahren. „Die Holzschnitte gehen bis in das Jahr 1907 hinauf. Die Zeit passt die Form dem sich verfeinerten Inhalt an“, schreibt Kandinsky. Das Blatt mit dem berühmten Motiv des Reiters, der in eben dieser Zeit im Werk des Malers und seiner Freunde eine fast symbolische Bedeutung besitzt – ein Form- und Farbenklang, der in den Klangbildern des Textes seine Entsprechung findet – ist ein Probedruck von 1912.


