6 ½ Wochen

Jianping He – Raster

26. Oktober – 10. Dezember 2017

Raster – bei diesem Wort hat man ein klares Ordnungsprinzip vor Augen: Vielleicht denkt man an Millimeterpapier, regelmäßig angelegte Quartiere oder sogar an ganze Städte wie der Verbotenen Stadt in Beijing, die Umgebung des Kaiserpalastes in Kyoto oder die Blockstrukturen in New York.

Raster können aber auch als künstlerisches Gestaltungsmittel genutzt werden. Beim Überformen eines Bildes mit einem Raster etwa kann entweder das Motiv bis zur Unkenntlichkeit verändert werden oder aber das Raster fungiert als Vermittler und schafft einen Ausgleich oder eine Verbindung zwischen verschiedenen Bildteilen oder Ebenen.

Jianping He hat in seinen in der Ausstellung gezeigten Arbeiten eine mehrschichtige Struktur gewählt. Ausgangspunkt waren Porträtfotografien, die Melchior Imboden von Designern geschaffen hat, deren Werke für Jianping He auf verschiedene Weise Vorbild und Ansporn sind, ihm neue Gestaltungs-Horizonte eröffneten. Bei der Verschmelzung dieser Porträts in der Serie Fusion folgt Jianping He verschiedenen Ideen: Es finden sich einerseits Übereinstimmungen in der generellen Haltung zum Thema Design oder es sind andererseits gerade die Gegensätze, z.B. im Umgang mit Typografie, die zwei Gestalter auf einem Blatt erscheinen lassen. Die Natur als Vorbild und Inspiration fließt fast selbstverständlich in die diese Kompositionen mit ein: So entdeckt man mittels verschiedener Transparenzen auch Naturaufnahmen aus Jianping Hes chinesischer Heimat.

Die Verbindung aller Elemente erfolgte dann über Rasterungen in verschiedenen Größen, Winkeln und Farbigkeiten. Es wird zunächst der Eindruck erweckt, als würden die Raster das Bild erzeugen, obwohl die grobe Beschaffenheit der so entstandenen Struktur schnell als künstlerisches Mittel verstanden wird und nicht als drucktechnische Notwendigkeit. Die unterschiedliche Rasterung ermöglicht aber auch unterschiedliche Wahrnehmungen des Blattes aus verschiedenen Standpunkten des Betrachters.

Die Ausstellung Raster thematisiert verschiedene Aspekte des Mediums Plakat: Zum einen stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von angewandter und bildender Kunst. Zum anderen bewegen sich Jianping Hes Arbeiten im Spannungsfeld zwischen asiatischer und europäischer Plakattradition. Referenzen auf diese unterschiedlichen Quellen werden sowohl ineinander verwoben als auch schroff gegeneinander gesetzt – daraus entsteht eine ungewöhnliche Bildsprache, die sich auch in den Arbeiten für diese Ausstellung zeigt.

Die Plakate wurden im Rahmen des Graphic Trial 2017 von der Toppan Printing Co., Ltd., Tokio produziert, Druckdirektor war Riichi Yamaguchi.

Unterstützt durch

Veranstaltungstipp:

6:30 p.m. with Jianping He
Freitag, 27. 10. 2017, 18.30 Uhr

Porträt, Natur und Raster als Gestaltungselemente

Gespräch mit
Jianping He, Grafikdesigner, Kurator, Verleger, Berlin/Hangzhou [D/CHN]
Melchior Imboden, Grafikdesigner und Fotograf, Buochs [CH]
René Grohnert, Leiter Deutsches Plakat Museum, Essen

Jianping He
Blatt 2/5 aus der Serie Fusion, 2017
© Jianping He

Jianping He
Blatt 1/5 aus der Serie Fusion, 2017
© Jianping He