Dokumentarfotografie Förderpreise 12

Kasners, Kim, Klein, Steffens

19. Juni – 8. November 2020

Das Museum Folkwang und die Wüstenrot Stiftung zeigen neue Arbeiten junger Künstlerinnen und Künstler, die im Rahmen der Dokumentarfotografie Förderpreise 12 entstanden sind. Die Ausstellung vereint vielfältige Arbeiten, für die sich die Fotografinnen und Fotografen mit der politischen und sozialen Verfasstheit unserer Welt auseinandersetzten. Methodisch, formal und technisch loten sie die auslaufenden Grenzen einer fotodokumentarischen Wirklichkeit aus.

Die vier geförderten Projekte kreisen inhaltlich um gesellschaftspolitisch relevante Fragen der Gegenwart: Christian Kasners (geb. 1983) setzt sich in Nová Evropa mit den historischen Hinterlassenschaften und politischen Erwartungshaltungen der Bürgerinnen und Bürger in Tschechien und deren Auswirkungen auf die Idee eines vereinten Europas auseinander. Mit Paradise Complex begibt sich Jiwon Kim (geb. 1982) auf die Suche nach dem Paradies in Costa Rica. Jens Kleins (geb. 1970) Arbeit Sunset zeigt in einem labyrinthischen visuellen Essay vermeintliche Orte der Flucht aus der DDR. Mit seinem Projekt Nexus widmet sich Joscha Stefens (geb. 1982) dem Phänomen von Jugendlichen, die durch gemeinsames Spiel zu einer (quasi-) religiösen Erfahrung einer Glaubensgemeinschaft gefunden haben. Der Dokumentarfotografie Förderpreis der Wüstenrot Stiftung ist die bedeutendste Auszeichnung dieser Art in Deutschland. Er richtet sich an Fotografinnen und Fotografen, die sich mit Themen der realen Lebenswelt beschäftigen und mit zeitgenössischen Mitteln die Repräsentationsfunktion der Fotografe neu definieren.

Die Mitglieder der Jury für die Förderpreise DF12 waren: Florian Ebner (Kurator und Leiter des Cabinet de la Photographie im Centre Pompidou, Paris), Beate Gütschow (Professorin für Künstlerische Fotografe, Kunsthochschule für Medien Köln), René Hartmann (Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg), Felix Hofmann (Hauptkurator C/O Berlin), Sara-Lena Maierhofer (Künstlerin und Preisträgerin des Dokumentarfotografe Förderpreises 10, Berlin).

Die Dokumentarfotografie Förderpreise werden seit 1994 alle zwei Jahre von der Wüstenrot Stiftung in Zusammenarbeit mit der Fotografischen Sammlung des Museum Folkwang vergeben. Die Preise sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert und ermöglichen die Realisierung eines neuen Projekts. Nach Ablauf eines Projektjahres wird aus den Arbeitsergebnissen eine Wanderausstellung mit Begleitkatalog konzipiert. Darüber hinaus ist ein Symposium zu gegenwärtigen Fragen der künstlerischen Dokumentarfotografe Bestandteil des Förderprogramms. Die Ausstellung, der Katalog und die Tournee sowie das Symposium sind Teil des Förderpreises und werden in vollem Umfang von der Wüstenrot Stiftung getragen.

Joscha Steffens, Mystic (20, South Korea)
aus der Serie Nexus, 2019
C-Print, 40 × 30 cm
© Joscha Steffens / VG Bild-Kunst, Bonn

NEU: Symposium der Wüstenrot Stiftung im Video-Format
Das für den 30. Oktober geplante Symposium Eine Frage der Perspektive – Über transkulturelle und vernetzte Arbeitsweisen wird aufgrund der aktuellen Situation ausschließlich online und in veränderter Form stattfinden: Vom 16. bis zum 22. November wird täglich ein Vortrag als Video auf dem YouTube-Kanal der Wüstenrot Stiftung veröffentlicht. Mit dabei sind Cana Bilir-Meier, Hannah Darabi, Anna Ehrenstein, Anna-Catharina Gebbers, Gabriele Genge, Boaz Levin und María Inés Plaza Lazo. Das Symposium ist Teil der Ausstellung Dokumentarfotografie Förderpreise 12. Kasners, Kim, Klein, Steffens, die noch bis zum 8. November im Untergeschoss des Museum Folkwang zu sehen ist.

Download Programm

YouTube-Kanal der Wüstenrot Stiftung

Eine Frage der Perspektive – Über transkulturelle und vernetzte Arbeitsweisen

Ein Symposium der Wüstenrot Stiftung zu den Dokumentarfotografie Förderpreisen 12
im Museum Folkwang

Internationale Künstler*innen, Fotograf*innen, Kurator*innen und Wissenschaftler*innen diskutieren Fragen der Transkulturalität und digitalen Vernetzung in der künstlerischen Fotografie.
In der Kunst und Ausstellungsarbeit gewinnen nicht-westliche Perspektiven zunehmend an Aufmerksamkeit. Zur Dekonstruktion starrer Narrative ist die Fotografie ein besonders spannendes Medium: Die leichte und schnelle Verbreitung über die digitalen Kanäle und die materielle Flexibilität des Mediums eröffnen zudem vielschichtige Formen der Kommunikation und Weiterverarbeitung. Der Vormittag widmet sich künstlerischen Strategien. Die Aneignung von Archivmaterial und die Kollaboration mit diversen Akteur*innen werden als Möglichkeiten aufgezeigt, klassische Formen von Autorschaft aufzubrechen. Damit verbunden wird es Thema sein, wie sich der Austausch in künstlerischen Formaten niederschlägt. Ausstellungen, Festivals und Magazine mit einem Fokus auf einer diskursiven kulturellen Vernetzung stehen am Nachmittag im Mittelpunkt. Neben der inhaltlichen Ausrichtung dieser Plattformen ist zu diskutieren, welche Übersetzung zu leisten ist und wo ein produktiver Widerstand entstehen kann. Vortragende sind Cana Bilir-Meier, Hannah Darabi, Anna Ehrenstein, Anna-Catharina Gebbers, Gabriele Genge, Boaz Levin, Kerstin Meincke, María Inés Plaza Lazo und Steffen Siegel.