6 ½ WOCHEN

OLU OGUNNAIKE ...I'D RATHER STAND

25. NOV 2021 – 9. JAN 2022

 …I’d rather stand ist die erste institutionelle Einzelausstellung von Olu Ogunnaike (*1986) im deutschsprachigen Raum. Der britische Künstler ist Stipendiat des Residenzprogramms Neue Folkwang Residence, welches Museum Folkwang und Neuer Essener Kunstverein in diesem Jahr initiiert haben. Im Rahmen des fünfmonatigen Arbeitsaufenthalts entwickelte Ogunnaike mehrere Arbeiten, die er nun im Museum Folkwang als Rauminstallation präsentiert.

Im Ausstellungsraum stehen um einen imaginären Tisch achtzehn Stühle aus jeweils anderem Industriestahl. Den Stühlen aber fehlt die Sitzfläche. Diese nutzt Olu Ogunnaike als Trägermaterial für Siebdrucke aus Kohle, die Fotografien von sogenannten „Pionierpflanzen“ zeigen, die er auf dem Gelände der Zeche Zollverein aufgenommen hat. Pionierpflanzen sind Sträucher und Bäume, die als erste in zerstörten und kargen Umgebungen wachsen. Die bedruckten Sitzflächen befestigt er an den Ausstellungswänden. An der Wand vor dem Ausstellungsraum sind ganze, intakte Stühle montiert, deren Flächen Ogunnaike mit einer Fotografie mittels eines UV-Farbdruckverfahren bedruckt. Die Fotografie zeigt verschiedene Pflanzenarten vor den Schornsteinen der alten Kokerei auf der Zeche Zollverein.

Olu Ogunnaike befragt in seinen Installationen, Grafiken und Performances unter anderem die historischen und sozialen Eigenschaften von Materialen und Orten. Immer wieder gewinnt er Materialien eine komplexe Geschichte ab und schreibt ihnen zugleich neue ein. Er arrangiert die Werke konzeptuell und verbindet die einzelnen Elemente wie in einem Spinnennetz. In der Ausstellung … I’d rather stand konzentriert er sich auf das Material Stahl, inspiriert von der regionalen Geschichte der Stahl- und Kohleproduktion im Ruhrgebiet. Zentrales Motiv ist der Tisch, der – gleichermaßen alltäglich und komplex kodiert – Symbol der sozialen Zusammenkunft ist: Der Tisch bietet einen Möglichkeitsraum für soziale Utopien, für die Auflösung von Hierarchien und die Verhandlung von neuen Sitzordnungen. Die Rauminstallation, die Ogunnaike im Museum Folkwang konstruiert, kreist um die Frage, was es bedeutet, sich dafür zu entscheiden, ‚lieber zu stehen‘ anstatt mit an einem Tisch zu sitzen, der ein bestimmtes gesellschaftliches System repräsentiert.

Gefördert von

 
Neue Folkwang Residence
Im Rahmen des Residenzprogramms werden jährlich zwei Stipendien an internationale Künstler:innen für einen jeweils fünfmonatigen Arbeitsaufenthalt in Essen vergeben. Verbunden mit dem Stipendium ist eine Einzelausstellung im Neuen Essener Kunstverein bzw. im Museum Folkwang in der Reihe 6 ½ Wochen. Die Stipendiaten 2021, Olu Ogunnaike und Min Yoon, wurden aus einem Bewerberpool von zwölf Künstler:innen ausgewählt. Die Ausstellung A Scene for 210cm von Min Yoon im Neuen Essener Kunstverein wird am Freitag, 26. November, 19 Uhr, eröffnet und ist bis zum 13. Februar 2022 zu sehen.

Die Neue Folkwang Residence wird ermöglicht durch den Folkwang-Museumsverein e. V. und die Stiftung Olbricht.

Gefördert von

Olu Ogunnaike vor der Arbeit You are here, 2021, in seiner Ausstellung Crumbs im Musée d'art contemporain de Bordeaux.
Foto: Arthur Péquin