Peggy Buth

Vom Nutzen der Angst

9. Juni – 3. September 2017

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überlagern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirtschaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstlerische Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerienkrieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven dieser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Wohnungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die vielfach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Ausgrenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschende Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Das Veranstaltungsprogramm zur Ausstellung finden Sie hier...  

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Peggy Buth
Videostills aus: DEMOLITION FLATS, 2014
© Peggy Buth

Peggy Buth
LEUTE WIE WIR, 2017
3-Kanal-HD-Projektion, Farbe, S/W, 2-Kanal-Stereo Sound
© Peggy Buth