Das Museum Folkwang trauert

um Prof. Dr. Paul Vogt

Der ehemalige Direktor des Museum Folkwang ist am
1. Oktober im Alter von 91 Jahren verstorben. Vogt war in der Zeit von 1963 bis 1988 Direktor des Museum Folkwang.

Paul Vogt gehörte zu den großen Museumsdirektoren der Nachkriegsgeschichte. Ihm verdankt
das Museum Folkwang den Wiederaufbau der Sammlung, die durch die Beschlagnahmungen der Nationalsozialisten stark beschädigt worden war. Zu den wichtigsten Verdiensten Vogts gehörte die Rückerwerbung von 20 zentralen Gemälden der Osthaus-Sammlung – darunter Paul Cézannes „Steinbruch Bibémus“(um 1885) und Ernst Ludwig Kirchners „Tanzpaar“ (1914). Darüber hinaus erweiterte er die Sammlung französischer Kunst um Gemälde von Claude Monet oder Robert De-launay und erwarb bedeutende Werke von u.a. Joan Miró, Salvador Dalí, Edvard Munch, Max Beckmann und Josef Albers. Gleichzeitig führte er die Sammlungsentwicklung mit der Erwerbung von Werken der US-Amerikaner Barnett Newman, Mark Rothko, Jackson Pollock, Ad Reinhardt und Frank Stella – in der Tradition des Sammlungsgründers Karl Ernst Osthaus – an die zeitgenössische Kunst heran. Im Jahr 1979 siedelte er die Fotografische Sammlung, die heute zu den wichtigsten Fotosammlungen weltweit gehört, im Museum Folkwang an. Die Eingliederung des Deutschen Pla-kat Museums in das Museum Folkwang hat Paul Vogt ebenfalls frühzeitig angeregt. Das heutige Renommee des Museum Folkwang und seiner Sammlungen ist wesentlich der starken Persönlichkeit von Paul Vogt zu verdanken, der die Geschicke und Zukunft dieses Hauses so entscheidend mitge-prägt hat.

Vita
Prof. Dr. Paul Vogt (29. 5. 1926, Essen-Holsterhausen – 1. 10. 2017, Münster), Kunsthistoriker.
Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Vorgeschichte in Göttingen, Mitarbeiter des dorti-gen Universitätsmuseums, zugleich Nachlassverwalter Christian Rohlfs, seines Onkels. Assistent der Kunstsammlungen der Veste Coburg, Dozent der Volkshochschule in Coburg. Seit 1954 am Muse-um Folkwang, zunächst als Assistent von Heinz Köhn, ab 1963 als sein Nachfolger im Amt des Di-rektors des Museum Folkwang. 1977 Ernennung zum Professor der Universität Essen, nachdem er schon Jahre zuvor zunächst für die Medizinstudenten am Essener Klinikum, dann im Rahmen der Gesamthochschule Essen Vorlesungen über Kunst gehalten hatte. 1984 Ruf an die Kulturstiftung Ruhr. Träger des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Paul Vogt
Foto: Frank Vinken, 2006