Das Keith Haring 1x1

Museum Folkwang,  08.07.2020 - 16:52

Tseng Kwong Chi, Keith Haring drawing on glass, 1985 Muna Tseng Dance Projects, Inc:; © Keith Haring Foundation, Foto: Muna Tseng Dance Projects, Inc.

Keith Haring, Untitled, 1983 © Keith Haring Foundation

Keith Haring, Untitled, 1982 © Keith Haring Foundation

Keith Haring, Untitled, 1982 Private Collection, courtesy of Martin Lawrence Galleries © Keith Haring Foundation

Keith Haring, Untitled (Apartheid), 1984 Stedelijk Museum, Amsterdam © Keith Haring Foundation

Für Keith Haring ist Kunst eine Sprache, die jeder verstehen und die für jeden zugänglich sein soll. Seine vordergründigen, einfachen Strichmännchen entwickelt Haring aus dem Bewusstsein heraus, dass Bilder wie Wörter funktionieren können.

Haring beschäftigt sich zeit seines Lebens mit unterschiedlichen Themen wie Kapitalismus, Religion, Rassismus, Drogenmissbrauch sowie Homophobie, aber auch mit Ausdrucksformen wie Musik und Tanz.
Mit diesem Keith Haring 1x1 wollen wir tiefer in die Welt des US-amerikanischen Künstlers eintauchen und Dir ein Vokabular an die Hand geben.

Breakdance (Keith Haring, Untitled (1983)): Als Keith Haring mit Anfang 20 nach New York City zieht, um dort an der School of Visual Arts Kunst zu studieren, wird er sehr schnell in den Bann der verschiedenen Subkulturen gezogen. Durch befreundete Musiker*innen und Künstler*innen kommt er mit der Hip Hop-Szene in Kontakt. Häufig begegnet man bei Haring Figuren, die auf dem Kopf stehen, ihren Körper rhythmisch bewegen oder ihn in die unmöglichsten Stellungen verdrehen. All diese Bewegungen sind dem Breakdance entlehnt und die Kunstwerke vermitteln eine positive Botschaft: Der Geist und die Mentalität der Streetdance-Szene und die Kommunikation mit anderen Menschen wird hier in den Vordergrund gestellt.

Bellender Hund
Keith Haring liebt als Kind die Zeichentrickfilme von Walt Disney und die Illustrationen des Kinderbuchautors Dr. Seuss. Mit seinem Vater malt er gern Comics. Vor allem Hunde haben es dem Jungen angetan. Im Laufe der Zeit entwickelt sich der Hund zu einer Art Markenzeichen Harings. Auf der einen Seite gilt der Hund als Beschützer des Menschen, andererseits auch als ein Raubtier. Seine Hunde nehmen menschliche Formen an, wenn sie auf den Hinterpfoten stehen oder sich auf zwei Beinen fortbewegen. Dies erinnert an die ägyptische Mythologie und Anubis, der als Wächter über die Toten sowie als Höllenhund gilt.

Fernsehen
Keith Haring wächst in einer Zeit auf, in welcher der Fernseher eine zentrale Rolle einnimmt. 1981 geht MTV (Music Television) auf Sendung und bietet Musiker*innen eine neue, visuelle Plattform. In den Folgejahren tritt Haring u. a. bei MTV auf und entwirft Werbegrafiken für den Sender. Auch in eigenen Bildern des US-amerikanischen Künstlers tauchen zunehmend Fernseh- und Computerbildschirme auf (oft anstelle der Köpfe seiner charakteristischen Figuren). Es ist ein Kommentar zur erstarkenden Macht der Massenmedien. Harings Bewusstsein für den technologischen Fortschritt sowie seine Bedenken treten sichtbar in den Vordergrund.

Apartheid/Rassismus
Bei Haring gibt es eine Vielzahl von Zeichnungen, die sich explizit gegen Diskriminierung aussprechen. Er lehnt im Leben, wie auch in der Kunst, den „angry white male“ ab und stellt sich gegen die Geschichte seiner weißen Vorfahren. Haring ist ein überzeugter Gegner von Rassismus. Er schreibt in sein Tagebuch: „Alle Geschichten von der ‚Expansion‘ der Weißen und ihrer Kolonialherrschaft sind voller entsetzlicher Details über den Missbrauch von Macht und von Menschen. […] Ich bin froh, dass ich anders bin. Ich bin stolz darauf, schwul zu sein. Ich bin stolz auf meine Freunde und Liebhaber jeder Hautfarbe. Ich schäme mich für meine Ahnen. Ich bin nicht wie sie.“ In den 1980er Jahren setzt er sich bewusst mit der Apartheid in Südafrika auseinander und nimmt aktiv an den Demonstrationen teil, die u. a. die Freilassung des südafrikanischen Aktivisten und späteren Präsidenten Nelson Mandela fordern.