Queer Exhibitions/Queer Curating

Ein interkulturelles Symposium

19. und 20. Mai 2017

Was meinen wir, wenn wir über queere Ausstellungen sprechen? Stehen hier queere Biographien einzelner Künstler_innen im Vordergrund? Oder geht es um die Sichtbarmachung queerer Themen oder sogar um groß angelegte Überblicksdarstellungen, die sich durch eine sexuelle Differenz zum übergreifenden theoretischen und historischen Rahmen definieren?

Das internationale Symposium, organisiert von der Ruhr-Universität Bochum und dem Museum Folkwang, richtet sich sowohl an Kulturschaffende, Künstler_innen, Kurator_innen und Wissenschaftler_innen als auch an Studierende und wird die Geschichte, die Bedingungen für sowie die Rezeption von queeren Ausstellungen beleuchten.

Museale Ausstellungen, die das Thema Sexualität bzw. Gender behandeln, sind nach wie vor als „junge“ Erscheinung zu bewerten, die ihren Ursprung in den frühen 1980er Jahren hat. Bis heute sind queere Ausstellungen – mit kaum 50 Realisierungen weltweit – ein eher seltener Gast an Institutionen und auch in vielen westlichen Ländern weiterhin umstritten.

Queere Ausstellungskonzepte sind mit den soziopolitischen Fortschritten in den Debatten um queere Bürgerrechte verknüpft und damit Teil regionaler wie nationaler Politik. Ein flüchtiger Blick auf die Geschichte dieser Ausstellungen lässt erkennen, dass ein solches Makrophänomen wie queere Bürgerrechte notwendige Bedingung für das Entstehen queerer Ausstellungen darstellt. Denn diese sind gleichermaßen von zahlreichen Einflussfaktoren abhängig – angefangen von den unterschiedlichen Positionen innerhalb der Kunst und deren Marktwert über Finanzierungsmittel, Förderer, das Engagement einzelner Personen und Personenkreise bis hin zu museumsinterner Kultur und Struktur. Weitere Faktoren bei der Realisierung queerer Ausstellungen sind Tendenzen der zeitgenössischen Kritik, theoretische Paradigmen sowie die Vorstellungen der Künstler_innen selbst. Kurzum: Mit dem Aufkommen des queeren Kuratierens hat sich eine kritische Perspektive eröffnet, durch die wir die vielen divergierenden Kräfte beobachten können, die zeitgenössische Museumsausstellungen strukturieren und möglich machen.

Im Gegensatz zum klassischen Thema der „Minderheit“, bei dem um Repräsentation und Demographien gestritten wird, ist die queere Präsenz in der Kunstwelt weder marginal noch neu. In der Tat sind queere Künstler_innen bereits in den Museen präsent; queeres Personal ist zudem von zentraler Bedeutung für die Konzepte und die Durchführung einschlägiger Ausstellungen. So stellt sich im Kunstbetrieb nicht die Frage nach der physischen, sondern vielmehr nach der diskursiven Präsenz queerer Akteure, d.h. danach, wie queerness definiert wird oder wie häufig sich darauf bezogen wird.

Zentrales Thema der Tagung wird daher nicht nur die Geschichte queerer Ausstellungen sein, sondern ebenso der brisante Diskurs, der durch queere Ausstellungen entstanden ist.  

Sprecher_innen
Birgit Bosold, Vorstandsmitglied Schwules Museum*, Berlin
Thom Collins, Direktor Barnes Foundation, Philadelphia
Julia Friedrich, Kuratorin Museum Ludwig, Köln
Amelia Jones, Kunsthistorikerin und Kuratorin, University of Southern California
Jonathan Katz, Kunsthistoriker, University at Buffalo, und freier Kurator
Simon Martin, Direktor Pallant House Gallery, Chichester
Fiona McGovern, Kunsthistorikerin, Berlin
Maura Reilly, Geschäftsführerin National Academy Museum & School, New York

Zu den Abstracts...

Veranstaltungsort: Karl Ernst Osthaus-Saal, Museum Folkwang

Teilnahme kostenfrei. Tagungssprache Englisch
Begrenzte Teilnehmerzahl. Anmeldung erbeten unter
queer-exhibitions@ruhr-uni-bochum.de
bis zum 10. Mai 2017  

Programm

Freitag, 19. Mai

17.00 Begrüßung: Isabel Hufschmidt, Museum Folkwang
17.15-18.45 Podiumsdiskussion mit Jonathan Katz, Änne Söll, Thom Collins, Fiona McGovern, Dorian Wood

Apéro

20.00 Konzert DORIAN WOOD: SEPARATIONS
Karl Ernst Osthaus-Saal, Museum Folkwang, Essen
Eintritt: € 12 / Ermäßigt: € 7 / Freier Eintritt für Teilnehmer der Konferenz und Mitglieder des Kunstring Folkwang

Samstag, 20. Mai

8.45 Registrierung
9.15 Begrüßung: Isabel Hufschmidt, Museum Folkwang
9.30-10.00 Einführung: Jonathan Katz, Änne Söll

Panel 1: Histories
10.00-10.30
Fiona McGovern, Queer Art and Culture on Display. Reflections on Exhibition History, its Impact and Problems
10.30-11.00 Maura Reilly, Challenging Heterocentrism and Lesbo-/Homo-phobia: A History of LGBTQ Exhibitions in the U.S.

11.00-11.30  Kaffeepause

Panel 2: Regions
11.30-12.00
Birgit Bosold, Beyond Same Same – Agenda Setting in Current Programming Strategies of Schwules Museum*
12.00-12.30 Simon Martin, Mediating Queerness: Recent Exhibitions of Modern British Art

12.30-14.00 Mittagspause

Panel 3: Negotiations
14.00-14.30 Julia Friedrich, Das Achte Feld. In Erinnerung an Frank Wagner. / The Eighth Square. In remembrance of Frank Wagner.
14.30-15.00 Thom Collins, Notes from the Field

15.00-15.30  Kaffeepause

Panel 4: Terms and Conditions
15.30-16.00 Jonathan Katz, Money Talks: Or Why is the United States so Backwards
16.00-16.30 Amelia Jones, Curating and the Queer Archive
16.30-17.15 Abschlussdiskussion

Apéro

Moderation: Jonathan Katz, Änne Söll and Isabel Hufschmidt

Abstracts in Kürze hier: 
www.museum-folkwang.de/de/aktuelles/veranstaltungen/queer-exhibitions-queer-curating.html
www.kgi.ruhr-uni-bochum.de
www.sowi.rub.de/jahoda/profs/s2017_katz.html.en

Ihre Anfragen richten Sie bitte an: 
queer-exhibitions@ruhr-uni-bochum.de
isabel.hufschmidt@museum-folkwang.essen.de

Eine Kooperation des Museum Folkwang, Essen, mit der Ruhr-Universität Bochum

Organisation: Jonathan Katz, University at Buffalo, Marie-Jahoda-Gastprofessur der Ruhr-Universität Bochum / Änne Söll, Kunstgeschichtliches Institut der Ruhr-Universität Bochum / Isabel Hufschmidt, Museum Folkwang, Essen

Gefördert durch Kunstring Folkwang e. V., Verein der Freunde des Museum Folkwang / Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW

Dorian Wood, 2015
Foto: San Raquel