Provenienzforschung

Die Erarbeitung der Eigentümergeschichte, der Biographie von Kunstwerken, ist Bestandteil kunsthistorischer Praxis. Nicht nur im Kunsthandel, sondern auch in den Museen ist sie ein wichtiges Instrumentarium der Mitarbeiter. Über gezielte Provenienzrecherche können die Institutionen Informationen über die eigenen Bestände im Kontext der Sammlungsgeschichte zusammentragen. Auch bei geplanten Schenkungen, Ankäufen oder Leihgaben ist sie eine Handhabe, zusätzlich Aufschluss über Herkunft, Urheberschaft und Originalität von Werken der Malerei, Bildhauerei, Graphik, Fotografie u. s. w. zu erhalten. Provenienzforschung ist gleichzeitig retrospektiv und auf die Zukunft von Beständen eines Hauses angelegt.

Das Museum Folkwang verfolgt seit 1998 verstärkt Provenienzforschung im Hinblick auf seine weitreichenden Bestände. Mit der Einrichtung des Bereichs „Forschung und wissenschaftliche Kooperation“ 2011 und der Erweiterung um den Zusatz „Provenienzforschung“ 2016 zielt dieses Engagement auf eine noch intensivere Erarbeitung der Bestandsgeschichte unter Einbeziehung der Forschungsgemeinschaft, des Netzwerks der Provenienzforscher und -forscherinnen in Deutschland und international. Ergebnisse zu einzelnen Werken, Konvoluten, Künstlern, Händlern und Sammlern sollen regelmäßig in verschiedenen Formaten, darunter eine Schriftenreihe, Vorträge, Workshops, Podien und Symposien, publiziert und zugänglich gemacht werden.

Eine besondere Verantwortung
Seit Verabschiedung der Washingtoner Erklärung von 1998 und der selbstverpflichtenden Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der Kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts 1999 unternehmen deutsche Museen vermehrte Anstrengungen, ihre Ankaufspolitik in den Jahren 1933 bis 1945 wissenschaftlich zu erforschen. Die Provenienzen von Gemälden, Skulpturen, Handzeichnungen und Grafiken sowie kunstgewerblicher Objekte werden untersucht und ergänzt, sofern sie lückenhaft sind oder verdächtig in der Provenienzkette erscheinen.

Seit 1998 führt das Museum Folkwang proaktiv Provenienzrecherchen vorrangig zu denjenigen Kunstwerken durch, die zwischen 1935 und 1945 sowie in der unmittelbaren Nachkriegszeit in seine Sammlung gelangten. Die Richtlinien für diese Forschung basieren auf den von der Washingtoner Konferenz definierten Grundsätzen.

Kontakt
Isabel Hufschmidt
Kuratorin Forschung, wiss. Kooperation, Provenienzforschung
+49 (0)201 88 45 119

Links
Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
Lostart Koordinierungsstelle Magedeburg Handreichung

Eugène Delacroix
Le lion et le serpent, 1856
Museum Folkwang, Essen