Architektur

Neubau
Im August 2006 gab Prof. Dr. h.c. mult. Berthold Beitz, Kuratoriumsvorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, bekannt, dass die Stiftung als alleinige Förderin die Mittel für den Neubau des Museum Folkwang zur Verfügung stellt. Die Krupp-Stiftung setzt mit dieser Entscheidung die über Jahrzehnte gewährte großzügige Unterstützung in einzigartiger Weise fort.

Aus einem von der Stadt Essen ausgelobten internationalen Architekturwettbewerb ging im März 2007 David Chipperfield Architects als Sieger hervor. Das Gebäude wurde von der Neubau Museum Folkwang Essen GmbH, einem Unternehmen der Wolff Gruppe, errichtet und im Januar 2010, zur Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010, eingeweiht.

Die Identität des Altbaus sollte im Konzept des Neubaus als selbständiger Baukörper erhalten bleiben. Chipperfield übernahm mit Innenhöfen und großen Fenstern die Transparenz und Offenheit des Altbaus. Der Besucher erblickt auch im Neubau Kunstwerke bereits von der Straße durch die großen Fenster. Beide Gebäude ergeben heute ein einmaliges Ensemble, das vor allem der Begegnung mit den Kunstwerken dient.

Der Neubau setzt das architektonische Prinzip des Altbaus mit einem Ensemble von sechs Baukörpern und vier Innenhöfen, Gärten und Wandelhallen fort. Die öffentlich zugänglichen  Bereiche des Neubaus schließen sich verbunden durch zwei Glaspassagen auf einer Ebene ohne Niveauunterschiede den bestehenden Ausstellungsräumen an. Eine großzügige Freitreppe führt vom Museumsplatz an der Bismarckstraße in den neuen Eingangsbereich, der als offener Innenhof mit Café und Restaurant sowie einer Museumsbuchhandlung konzipiert ist und durch eine Glasfassade zur Straße hin geschützt ist. Das neue Museum Folkwang bietet eine abwechslungsreiche Raumfolge mit viel natürlichem Licht für die Ausstellungsbereiche – die Sammlung 20./21. Jahrhundert, Fotografie, Plakat, Grafik und Sonderausstellungen – sowie Bibliothek und Lesesaal, Multifunktionssaal für Vorträge und Veranstaltungen, Depots und Restaurierungswerkstätten. Der Neubau orientiert sich zur Essener Innenstadt und bildet im Zusammenspiel mit dem benachbarten Kulturwissenschaftlichen Institut einen neuen städtebaulichen Akzent. 

Daten und Fakten zum Neubau finden Sie hier...

Altbau
Im Mai 1960 wurde der erste Folkwang-Neubau nach dem 2. Weltkrieg eröffnet: der heute denkmalgeschützte, so genannte Altbau. Der Vorgängerbau von Edmund Körner an selber Stelle war kurz vor Kriegsende durch Bomben zerstört worden. Die Planungen für den Neubau begannen Anfang der 1950er Jahre. 1956 beschloss die Stadt Essen zu bauen. Die Architekten Werner Kreutzberger, Baudirektor der Stadt Essen, Erich Hösterey und Horst Loy konzipierten einen der gelungensten Museumsbauten der Nachkriegszeit. Ein transparentes Gebäude, streng an den großen Vorbildern der klassischen Moderne orientiert. Seine besondere Ausstrahlung gewinnt es durch die zwei Innenhöfe, die viel Licht einlassen und durch die großen Fenster, die das Haus für den Besucher nach außen öffnen. Von der Kahrstraße aus ermöglichen sie einen Blick in das Innere des Gebäudes, so dass Besucher und Passanten die Kunstwerke der Sammlung selbst von außen erblicken können – dies entspricht der Philosophie des Museumsgründers Karl Ernst Osthaus, nach der die Kunst nah am Menschen sein solle. Die damals geringen Mittel für den Bau verpflichteten die Architekten und den damaligen Museumsdirektor Heinz Köhn und seinen Kurator Paul Vogt zur höchsten Funktionalität. Die Zeit erforderte ein neues Gebäudekonzept. Elemente des Vorgängerbaus von Edmund Körner, wie die Innenhöfe, wurden dennoch aufgegriffen und setzen sich heute im Neubau von David Chipperfield Architects beeindruckend fort.

Der Altbau wurde nach 1960 rasch wieder repräsentatives Domizil für die Folkwang-Sammlung und gesellschaftlicher Treffpunkt der Stadt. Wichtige Werke von Renoir, van Gogh, Gauguin, Signac oder die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts waren nicht von den Nationalsozialisten beschlagnahmt worden, verblieben im Museum und bildeten die Grundlage für den Wiederaufbau der Sammlung.

Bei der im Sommer 2010 abgeschlossenen Erneuerung des Altbaus durch die Neubau Museum Folkwang Essen GmbH, einem Unternehmen der Wolff-Gruppe, wurden die Räume sicherheits- und klimatechnisch dem Neubau angepasst. Mit großzügiger finanzieller Unterstützung des Folkwang-Museumsvereins konnten die Oberlichter in drei Ausstellungsräumen wieder geöffnet werden, um auch hier das natürliche Licht zu nutzen.

Im Altbau zeigt das Museum heute die Meisterwerke des 19. und 20. Jahrhunderts.