Geschichte

Seit der Gründung des Museum Folkwang 1902 in Hagen richtete sich das Augenmerk der öffentlichen Berichterstattung und der kritischen Forschung hauptsächlich auf diejenigen Werke, die zur klassischen Moderne zählen und bis heute den Schwerpunkt der Sammlung ausmachen. Darüber wird häufig vergessen, dass das Museum einen nicht zu vernachlässigenden Bestand aus dem späten 18. und 19. Jahrhunderts besitzt. Dieser beginnt, zeitlich gesehen, mit denjenigen Künstlern, die auf Formen des Barock zurückgreifen und eine bürgerliche Kunst schaffen. Dazu gehören Daniel Nicolaus Chodowiecki und Jean Baptiste Greuze. Hieran schließen die Gruppe der Romantiker (Caspar David Friedrich) und die Gruppe der Nazarener (Peter Cornelius, Johann Friedrich Overbeck, Julius Schnorr von Carolsfeld) an, deren Kunst sich durch formale Reduktion den klassizistischen Stilformen annähert. In der Nachfolge der Romantiker kommen realistische Tendenzen auf, die sowohl im Landschaftlichen wie auch im Figürlichen sichtbar werden (Christian Morgenstern, Adolph von Menzel). Daneben ist eine Hinwendung zur Illustration zu beobachten (Ludwig Richter, Moritz von Schwind), andere Künstler neigten hingegen eher zur Theorie (Hans von Marees). Der Schwerpunkt der Sammlung des 19. Jahrhunderts liegt auf der Zeit bis ca. 1850. Grund dafür ist die Schenkung der umfangreichen Ludwig Richter-Sammlung, die der Theologieprofessor Karl Budde bereits 1906 dem Essener Kunstverein vermacht hatte: Dieser Bestand wurde in der Folge zu einem Kristallisationspunkt der weiteren Erwerbungstätigkeit für das 19. Jahrhundert.

Mit der Übersiedlung des Museum Folkwang von Hagen nach Essen 1922 wurde der Bestand der Grafischen Sammlung stetig größer. Ernst Gosebruch, der sich sehr für die zeitgenössische Kunst interessierte, setzte neue Akzente und erwarb zahlreiche Aquarellen, Zeichnungen und Druckgrafiken des deutschen Expressionismus, wobei ursprünglich Emil Nolde besonders umfangreich vertreten war. Mit dem Zusammenschluss der Hagener und Essener Kunstsammlungen gelang es Gosebruch auch, den Bestand des 19. Jahrhunderts weiter zu ergänzen. Der zweite Katalog des Museum Folkwang von 1929 – der erste war 1912 erschienen – zählt 229 Zeichnungen und 1.222 druckgrafische Werke. Dem weiteren Ausbau der Sammlung moderner Kunst setzte die Kulturpolitik des Dritten Reiches ein jähes Ende: Mit der Aktion "Entartete Kunst" wurden 1.200 Blätter enteignet, die danach nie wieder auftauchten. Nahezu der vollständige Bestand der nach 1900 entstandenen Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken ging verloren. Die damals unvollständigen Verzeichnisse geben nur bruchstückhaft den Verlust wieder.

In den Nachkriegsjahren wurde aufgrund der geringen finanziellen Mittel zunächst überwiegend Druckgrafik gesammelt. Ein erheblicher Zuwachs gelang mit dem Ankauf des grafischen Werks von Christian Rohlfs 1957 und des bis auf wenige Blätter kompletten druckgrafischen Werks von Erich Heckel. Gleichzeitig war es ein Anliegen des Museums, die Kunst nach 1945 nicht zu vernachlässigen und die grafische Sammlung um Werke der zeitgenössischen Kunst zu erweitern.