Geschichte

Im Museum Folkwang Hagen und seit 1922 – nach der Vereinigung mit dem Städtischen Kunstmuseum in Essen – im Museum Folkwang an seinem heutigen Standort wurden zu einem außerordentlich frühen Zeitpunkt Meisterwerke der klassischen Moderne gezeigt Die Schausammlungen präsentierten Gemälde von Paul Cezanne, Paul Gauguin und Vincent van Gogh, der um eine Generation jüngeren, so genannten Fauves (Henri Matisse u.a.) und der deutschen Künstlervereinigungen „Brücke“ und „Blauer Reiter“. Für den Museumsgründer Karl Ernst Osthaus hatte der persönliche Kontakt zu den Künstlern und das uneingeschränkte Engagement für zeitgenössische Kunst Priorität. Zu seinen Grundsätzen gehörte es, die Werke für seine Sammlung direkt bei den Künstlern zu erwerben. Osthaus, der durch seine Erbschaft finanziell unabhängig war, besuchte Renoir, Rodin und Cézanne in ihren Ateliers.

Ernst Gosebruch, der seit 1906 den Aufbau der Essener Kunstsammlungen leitete und 1909 zum Direktor des jungen Essener Instituts ernannt wurde, war mit dem Hagener Sammler und Mäzen Karl Ernst Osthaus befreundet und engagierte sich wie dieser für die damalige künstlerische Avantgarde. Auch Gosebruch sammelte Werke der zeitgenössischen französischen Maler und deutschen Expressionisten, außerdem Bilder der Romantiker, natürlich immer im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten, die ihm der Haushalt der aufstrebenden Montan- und Industriestadt Essen vorgab.

Für ihn bot sich also eine einzigartige Gelegenheit, als ihm der Nachlassverwalter des 1921 verstorbenen Karl Ernst Osthaus’ die Idee unterbreitete, die Hagener Sammlung für Essen zu erwerben. Gut eingeführt in die Essener Unternehmerkreise, gelang es Gosebruch, die finanziellen Voraussetzungen für den Ankauf zu schaffen. Die Geldgeber gründeten den Folkwang-Museumsverein, der damals wie heute gemeinsam mit der Kommune die Kontinuität dieses Kunstinstituts sicherstellt.

Während des Dritten Reiches wurde das Museum Folkwang Zielscheibe nationalsozialistischer Kulturpolitik. Im Zuge der Hetzkampagnen gegen so genannte entartete Kunst verlor das Museum Folkwang, damals unbestreitbar ein Zentrum der Moderne in Deutschland, großartige Werke, unter anderem von Georges Braque, Paul Cézannes, Giorgio de Chirico, Edmund Cross, André Derain, Henri Matisse und Edvard Munch.

Jedoch gelang es der Museumsleitung in den Jahrzehnten nach 1945 durch eine ebenso kluge wie engagierte Ankaufspolitik, die schmerzlichsten Lücken zu schließen und dem Museum sein in der Vorkriegszeit erworbenes Profil zurückzugeben: Bereits zur Eröffnung des Neubaus 1960 waren sein hoher Rang und ausgezeichneter Ruf als richtungweisendes Kunstinstitut wieder hergestellt.

Seit den 1970er Jahren und bis in die Gegenwart nimmt der Umfang der Sammlungen beständig zu. Die von Osthaus begründeten Sammlungsschwerpunkte konnten wiederhergestellt und sogar ausgebaut werden; gleichzeitig wurden – Osthaus’ Gedanken der Zeitgenossenschaft weiterführend – bedeutende Werke der Gegenwartskunst gesammelt. Das Tafelbild erhielt dabei den Vorrang, so dass bis zum Jahre 2000 eines der umfangreichsten Museen der Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts entstand.

Karl Ernst Osthaus