TOBIAS ZIELONY

The Fall

25. JUN – 26. SEP 2021

Mit The Fall präsentiert das Museum Folkwang die erste Überblicksausstellung von Werken des Fotografen und Videokünstlers Tobias Zielony (*1973 in Wuppertal). Zielony steht in einer langen Traditionslinie künstlerischer Dokumentarfotografie und gilt vielen jüngeren Bildermacher*innen als wegweisend. Nur wenige Fotografen seiner Generation haben die gesellschaftlichen und medialen Entwicklungen so aufmerksam beobachtet und in eine zeitgenössische Bildsprache überführt wie er.

Die Ausstellung wirft anhand von rund 180 Fotografien und Videoarbeiten einen umfassenden Blick auf Zielonys künstlerisches Schaffen der vergangenen zwanzig Jahre. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Zielony als Vertrauter und Beobachter mit seiner Kamera begleitet, bewegen sich meist in urbanen Räumen und häufig an Rändern der Gesellschaft. Sie gehören mal der Techno-, LGBTQ- und auch Skater-Szene an oder sind aus Afrika nach Deutschland geflüchtet.

Zielony arbeitet an der Schnittstelle zwischen fiktiven und dokumentarischen Behauptungen und erforscht die politischen und ästhetischen Potenziale. Seine fotografischen wie filmischen Arbeiten sind von einem kritischen Verständnis des Genres und dem Streben nach Selbstbestimmung und Emanzipation der Protagonist*innen geprägt. Die Schau kombiniert bekannte Bildserien und frühe Videoarbeiten von Car Park (2000), Big Sexyland (2006), über Vele (2009/10), Maskirovka (2016/17), bis hin zum in Japan entstandenen Stop-Motion-Video Hansha (2019). So bietet die Ausstellung zum ersten Mal die Möglichkeit, die in den unterschiedlichsten Regionen der Welt verorteten Bildwelten Tobias Zielonys als globale Phänomene in ihren spezifischen Ausprägungen zu lesen. Im zentralen Raum der Präsentation wird mit einer abstrahierten Plattform und Rampe ein symbolischer Stadtraum geschaffen, der Treffpunkt und Ort des Verweilens sein kann und auch als Bühne fungiert. In zwei umlaufenden Bildfolgen treffen rund vierzig Fotografien der letzten Jahre aufeinander. Begegnungen, Situationen und Orte stehen mit- und nebeneinander in Beziehung und zitieren in ihrer räumlichen Verdichtung den allgegenwärtigen Fluss von Social Media Images auf elektronischen Geräten wie Smartphones und Computern.

Tobias Zielony setzt sich in seinen Arbeiten immer wieder mit dem Begriff der Jugendkultur in Bezug auf Herkunft, Repräsentation und Mode und der damit einhergehenden Definition von Identität in der sich verändernden medialen Wirklichkeit auseinander. Das Aufkommen sozialer Netzwerke und der permanente Austausch fotografischer Bilder haben die Idee des Selbst und die Formen von (Selbst-)Repräsentation grundlegend verändert. Zielony zeigt seine Protagonist*innen als selbstbewusste Teilnehmende in diesem Wechselspiel, die trotz kultureller und sozialer Unterschiede in einem globalen Kosmos sozialer Codes und Selbstbildnisse agieren.

Im  Verlag  Spector  Books  erscheint  eine  Publikationsreihe:  ausgewählte  Foto-und  Videoarbeiten von  Tobias  Zielony  treffen  darin  auf  Texte  einer  neuen  Generation  von  Autor*innen  wie Dora Koderhold, Sophia Eisenhut, Joshua Groß, Mazlum Nergiz, Enis Maci und Jakob Nolte.

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Tobias Zielony
Yusuke, 2020
© Tobias Zielony