Graffiti and the City

Abstracts

24.9.2020
Larissa Kikol: Keith Haring – Zwischen Graffiti, Street Art und Gegenwartskunst?! Straßengeschichten vor und nach Haring.

Kaum ein anderer Künstler, wird so unterschiedlich eingeordnet wie er: Stammt er aus der Graffiti-Szene? War er ein Begründer der Street-Art? Oder ein politischer Wandmaler?
Dabei sind diese Felder, ihre kulturelle Geschichte und ihre Ästhetik äußerst heterogen.
Einer der bekanntesten Wandmaler Mexicos, José Clemente Orozco, behauptete 1929: „Die Wandmalerei ist die höchste, folgerichtigste, reinste und stärkste Form der Malerei, sie ist auch die uneigennützigste, weil sie nicht zum Vorrecht einiger weniger versteckt werden kann. Sie ist für das Volk.“ Was ist aus der Wandmalerei geworden? Wie setzte Haring sie ein? Und wie entwickelte sie sich nach ihm weiter?
In meinem Vortrag werde ich dem nachgehen. Ich gebe Einblicke in die New Yorker Graffitiszene der 80er Jahre, auf Wandbilder von Mexico bis nach Portugal im 20. Jahrhundert und in die aktuelle Straßen-Kunstszene, wie beispielsweise durch die Künstler-Crew 1UP. Dabei werden Harings Werke immer wieder in den Vergleich gesetzt, um Einflüsse zu entdecken, aber auch wichtige Unterscheidungsmerkmale zu unterstreichen.

Larissa Kikol (1986*) ist freie Kunstkritikerin und Kunstwissenschaftlerin. Sie schreibt unteranderem für Die Zeit, art das Kunstmagazin, Kunstzeitung, mare die Zeitschrift der Meere, Spiegel Online und für Kunstforum International. Hier brachte sie die Themenbände Politik, Ethik, Kunst (2018), Graffiti Now (2019) und Gegenwartsbefreiung Malerei (2020) heraus. 2016 gewann sie den internationalen Wettbewerb Talents des C/O Amerikahauses für Kunstkritik. Sie lebt und arbeitet in Marseille und Köln.

8.10.2020
Tobias Morawski: Urban Art und Institutionalisierung

Von der Strasse in die Galerie, vom Urban Art-Museum zum ausgerufenen „Death of Graffiti“. Von Schutzbeschichtungen und professionellem Abtragen von bemalten Hauswänden bis zur absichtlichen Zerstörung der eigenen Werke. Über die Legalisierung von Graffiti, Künstler_innen, die bei ihrer Arbeit von der Polizei erschossen werden, die Versuche von der eigenen Kunst leben zu können und militante Angriffe auf Biennalen...
In diesem Vortrag geht es über die Geschichte und Entwicklung der Urban Art-Kultur bis hin zu den aktuellen Diskursen über Institutionalisierung, aber auch Vereinnahmung durch Stadtmarketing, Wirtschaft und Politik und wie Künstler_innen versuchen in ihren Arbeiten darauf zu reagieren. Erläutert werden Beispiele u.a. aus Berlin, New York und São Paulo.

Tobias Morawski ist Kommunikationsdesigner, Künstler und Autor. Er ist ehrenamtlicher Mitarbeiter im Graffitiarchiv (im Archiv der Jugendkulturen e.V.). Sein Buch Reclaim Your City – Urbane Protestbewegungen am Beispiel Berlins erschien im Verlag Assoziation A

15.10.2020
Ulrich Blanché: Wie wurde Haring Street Artist und wie teilte er Wände mit anderen?

Auf seinen Schritten in Richtung illegaler Street Art und legaler "street flavored" Urban Art wurde Keith Haring vielfältig beeinflusst, etwa von Kaligraphie, abstraktem Expressionismus, Außenwerbung und insbesondere von dem New Yorker Style Writing Graffiti, jedoch auch von anderen Street Artists wie Jenny Holzer, Basquiat oder John Fekner. Die Regeln des Graffiti lernte Haring über persönliche Kontakte, gemeinsame Ausstellungen und Kollaborationen, jedoch auch durch seine tägliche illegale Arbeit auf der Straße, wo er auf ganz unterschiedliche Arten Wände mit anderen teilte. Er übermalte unabsichtlich andere, etwa Thierry Noir, absichtlich ergänzend, etwa Richard Hambletons Shadowmen, teils auch mit Respektsbekundungen, und er setzte sein visuelle Signatur neben die anderer Graffiti Writer oder Street Artists, um durch Quantität Präsenz zu zeigen oder durch Placement in Interaktion zu treten.

Der Street-Art-Forscher Ulrich Blanché ist seit 2019 mit seinem PostDoc Forschungsprojekt A Street Art History of Stencils (gefördert von der Fritz-Thyssen-Stiftung) an der Universität Heidelberg tätig. Davor war er bereits sechs Jahre wiss. Mitarbeiter in Heidelberg, wo er seine Habilitation zu Affen in Bildern seit 1859 verfasste (eingereicht). Er veröffentlichte mehrere Aufsätze zu Street Art, zudem ist er Co-Herausgeber des engl. Sammelbands Urban Art. Creating the Urban with Art (2018).

archpaper.com (Screenshot)
Detroit city council asks, graffiti: art or vandalism? 2. März 2015