„Weltweit sammeln. Und dann?“ II

Abstracts

Dr. Hilke Thode-Arora
Diebstahl, Kauf, Tausch oder Geschenk?
Provenienzforschung zu Sammlungen aus Ozeanien - Herausforderungen und Besonderheiten

Auf welchen Wegen gelangten Objekte aus Ozeanien in deutsche Sammlungen? Wie lassen sich historische Objekttransfers erforschen und kontextualisieren? Und ist Restitution der Königsweg der Wiedergutmachung von kolonialem Unrecht?

Anhand ausgesuchter Beispiele, unter anderem aus dem Museum Fünf Kontinente, werden verschiedene Methoden, Fragen und Ergebnisse der Provenienzforschung zu Sammlungen aus Ozeanien vorgestellt, welche einen Eindruck von der Komplexität des Forschungsfeldes geben. Ozeaniens kulturelle Besonderheiten, aber auch kolonialzeitliche Verflechtungen hatten Einfluss darauf, welche Objekte ihren Weg in europäische Museen fanden (und welche eher nicht) – mit zuweilen überraschenden Ergebnissen. Diese kulturellen Besonderheiten und kolonialzeitlichen Verflechtungen prägen auch den heutigen Umgang mit diesen Stücken bei Forschung, Zugänglichmachen, Publikationen und Ausstellungen in Zusammenarbeit mit Vertretern der Herkunftsgesellschaften. Nicht zuletzt fließen sie in die oft divergierenden europäischen und pazifischen Vorstellungen von der Wiedergutmachung kolonialen Unrechts ein.

Dr. Markus Schindlbeck
Der Mythos vom Raub der Objekte

Provenienzforschung bestimmt heute zunehmend die Agenda ethnologischer Museen. Mit den Schlagworten von Kunstraub und Kolonialbeute wird in den Medien die Sammeltätigkeit der Museen pauschal diskreditiert. Sammeln wird heute als Aneignung beschrieben, Sammelleidenschaft als Sammelwut. Provenienzforschung stößt jedoch an Grenzen, wenn nur die unmittelbare erste Stufe der Herkunft bekannt ist. In dem Beitrag soll daher an einzelnen Beispielen unterschiedlicher Gegenstände der Vorgang dieser Aneignung untersucht werden. Dabei werden die Beispiele in ihren jeweiligen zeitlichen Kontext gestellt. Die oft übersehene Mitwirkung der ursprünglichen Eigner der Gegenstände soll dabei mehr in den Vordergrund gestellt werden. Dadurch erhält der Prozess der Aneignung mehrere Agenten, die in der bisherigen eurozentrischen Darstellung übersehen wurden.

„Mir kann es ganz recht sein, wenn die anderen dort unten Beschäftigung finden. Man hat dann endlich Ruhe hier oben.“
Karikatur „Die Südsee ist das Mittelmeer der Zukunft.“ In: Kladderadatsch, 1884