NEUE WELTEN

Die Entdeckung der Sammlung

Seit Sommer 2019 stellt das Museum Folkwang seine Sammlung in vollständig umgestalteten Räumen vor. Unter dem Leitthema Neue Welten erleben und erfahren Besucherinnen und Besucher die traditionsreiche Sammlung in neuer Gestalt und oftmals aus überraschender Perspektive. Malerei trifft auf Fotografie, Skulptur oder Grafik und geht mit Weltkunst und Plakat bisher ungesehene und inspirierende Konstellationen ein.

Jeder Sammlungsraum ist medien- und epochenübergreifend arrangiert. Im Sinne der Folkwang-Idee von Museumsgründer Karl Ernst Osthaus (1874–1921) treten die Gattungen und unterschiedlichen Sammlungsbereiche in Dialog miteinander. Von den Anfängen der Sammlung mit Hauptwerken von Vincent van Gogh, Paul Cézanne, Paul Gauguin und den deutschen Expressionisten bis in die Gegenwart öffnet sich der Folkwang-Kosmos aus heutiger Perspektive. Die Neupräsentation erstreckt sich über den gesamten Sammlungsbereich im Alt- und Neubau des Museums und lädt ein, die Sammlung neu zu entdecken.

In den 25 Räumen finden sich zentrale Werke der Sammlung, um die sich verschiedenste Erzählungen ranken. Jeder Raum ist nach einem Ankerwerk benannt, das einen thematischen Impuls gibt. Unter diesen Ankerwerken befinden sich wichtige Gemälde wie La moisson (1889) von Vincent van Gogh, aber auch überraschende Werke wie Claude Kuhns satirisches Plakat Der Fisch im Schafspelz (2011). Alle Räume handeln von Neuanfängen, Aufbrüchen und neuen Zeiten. Der Titel der Präsentation Neue Welten greift somit auch aktuelle gesellschaftspolitische Themen wie Migration, Bilderflut und Fake News in den Sozialen Medien auf – ein zeitgenössischer Blick auf eine historisch gewachsene Sammlung.

Der Raum Prometheus Bound eröffnet den Rundgang Neue Welten. Er widmet sich der künstlerischen Auseinandersetzung mit Schöpfungsmythen aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen. Neben Barnett Newmans Gemälde sind mythologische Figuren wie Max Beckmanns Perseus (1941), Auguste Rodins Bronzeskulptur Eva (um 1881) oder auf Albert Renger-Patzschs Fotografie Natterkopf (1925) zu sehen. Osthaus‘ Sammlertätigkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie den gleichzeitigen Erwerbungen des ersten Essener Museumsdirektors Ernst Gosebruch sind im Altbau zwei Säle gewidmet. Von den ersten für ein deutsches Museum erworbenen Van Gogh-Gemälden über die Werke von wegweisenden Künstlern der Moderne wie Paul Gauguin bis hin zu den Lieblingsstücken vieler Besucherinnen und Besucher, wie Paula Modersohn-Beckers Selbstbildnis mit Kamelienzweig (1906/1907) oder Max Liebermanns Papageienmann (1902) präsentieren diese Räume das beeindruckende Vermächtnis der Gründungsjahre des Museums und ihrer Protagonisten. Im Neubau finden sich Skulpturen von Wilhelm Lehmbruck in Nachbarschaft zu Katharina Fritsch und Bilder von Camille Corot gegenüber Per Kirkeby. Claude Monet trifft auf Mark Rothko und August Mackes Modes: Frau mit Sonnenschirm vor Hutladen (1914) begegnet der legendären Deutsche Bundesbahn-Werbekampagne Alle reden vom Wetter. Wir nicht. (1968). Von Rudolf Bellings Entwurf einer Kühlerfigur Fabeltier (1923) bis hin zu der überlebensgroßen Pinocchio-Skulpturengruppe Two Thieves, One Liar (2006) des Pop Art-Künstlers Jim Dine stellt Neue Welten die Vielfalt und den Reichtum einer die Epochen und Medien, Formate und Themen übergreifenden Sammlung in ihrer Einzigartigkeit vor.

Installationsansicht Prometheus Bound
Werke: Barnett Newman, Auguste Rodin,
Max Beckmann

Installationsansicht Ecce Homo
Werke: Honoré Daumier, Grabskulptur
(um 1520), Thomas Schütte

Installationsansicht Vermisst die Welt
Werke: Per Kirkeby, Wilhelm Lehmbruck

Installationsansicht Alle reden vom Wetter. Wir nicht
Werke: Oliviero Toscani, Jürgen Holtfreter, McCann Erickson

Alle Fotos: Jens Nober, Museum Folkwang