Francis Alÿs

Cuentos Patrióticos, 1997

Auf seinen Steifzügen durch seine Wahlheimat Mexiko hat sich der belgische Künstler Francis Alÿs (*1959) mit urbanen Machtstrukturen auseinandergesetzt – so auch in seinem Videofilm Cuentos Patrioticos, der auf dem Zócalo, dem Hauptplatz von Mexiko City spielt. Er wurde von den spanischen Eroberern als Zeichen des Sieges über die Azteken angelegt und immer wieder als ein Ort für Machtdemonstrationen benutzt. In Alÿs Film Cuentos Patrioticos sieht man, wie ein Mann ein Schaf an einer Leine im Kreis um den großen Fahnenmast auf dem Zócalo führt. Mit jedem Glockenschlag schließen sich weitere Schafe dem Leithammel an. Schafe sind Herdentiere und so drängt sich bei dem Anblick dieses sonderbaren Reigens auf dem geschichtsträchtigen Platz ihre Interpretation als Mitläufer auf. Alÿs bezieht sich in seinem Videofilm Cuentos Patrioticos tatsächlich auf ein reales Ereignis, das sich 1968 an diesem Ort zugetragen hat. Auf dem Höhepunkt der politischen Unruhen wurden tausende Staatsbeamte gezwungen für die Regierung auf dem zentralen Platz der mexikanischen Metropole zu demonstrieren. In einem subversiven und zugleich humorvollen Akt widersetzten sich die Beamten der Anordnung, in dem sie zwar auf den Zócalo strömten, den Rücken aber zur Regierungstribüne drehten und wie die Schafe blökten. Ein vom Künstler ausgewählter, gerahmter Text und eine Postkarte, die auf das Ereignis verweisen, sind Teil der Arbeit und werden zusammen mit dem Videofilm ausgestellt.

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Francis Alÿs
Cuentos Patrióticos, 1997
1-Kanal-Videoinstallation (Farbe, Ton), 25‘42‘‘ Loop
Postkarten-Collage
Courtesy Sammlung Goetz, Medienkunst, München