Philipp Morlock

"Mit der Arbeit La moule aus dem Jahr 2009 bezieht sich Philipp Morlock auf eine Arbeit von Marcel Broodthaers, die im Jahr 1974, in Morlocks Geburtsjahr, entstand. Broodthaers Schrift-Bild-Werk bestand aus neun Leinwänden, die allesamt mit dem Schriftzug Al Capone bedruckt waren, unter dem sich je ein weiterer Name eines legendären Verbrechers befand. Darunter Namen wie Louis Mandrin, Landru oder Schinderhannes.

Allesamt sind sie durch literarische und filmische Legendenbildung in die Kulturgeschichte als Protagonisten einer gesellschaftlichen subversiven Tradition eingegangen. Sie sind damit zugleich Stellvertreter einer Subkultur des Verbrechens und deren Geschichtsschreibung. Aus diesem Grund betitelte Broodthaers die Arbeit mit Culture Internationale (Al Capone).

Philipp Morlock portraitiert diese Räuber mit einer Serie von Skulpturen. .(...) Jede Kutsche ist dem Haupte oder die Deichsel dem Bart jener Verbrecher nachempfunden, deren Konterfeis Morlock gefunden hat (...).

(...) Louis Mandrin etwa, galt als der "Robin Hood des 18. Jahrhunderts". Durch die Heroisierung der "doppelgesichtigen Gestalt von Ruhm und Schande" – wie es Michel Foucault in Überwachen und Strafen beschreibt, - entsteht eine Kultivierung des Verbrechens, indem es durch die schönen Künste aufgegriffen und verhandelt wird. Von Bedeutung ist hier, dass Al Capone ein Zerrbild dieser romantischen Rebellen darstellt. Mit der Brutalität der Mafia stellt er die Schattenseite des "American Dream" und der kapitalistischen Gesellschaft dar. Durch die Darstellung des Herzens, die Broodthaers ins Zentrum seiner Arbeit setzt, wird die Subkultur der Unterwelt ironisch in die Mitte der Gesellschaft zurückgeholt und damit ein dem "guten Verbrecher" bisweilen zugehöriger gesellschaftspolitischer Auftrag angemahnt.

Anstelle des Herzens hat Philipp Morlock ein Brandloch gesetzt. Das ironisch romantische Herz ist einem Loch gewichen, durch das man selbst auf einen leeren Sockel schauen kann. Es scheint als wolle er hier die Frage nach Kultur und Gegenkultur noch einmal ganz anders stellen. Wertfreier vielleicht, nicht einfach durch einen gesellschaftlichen "Common-Sense" definiert, sondern durch persönliche individuelle Auseinandersetzung."
(Sören Schmeling)

Biografie
*1974 in Pforzheim
1998 – 2004 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Prof. Andreas Slominski und Prof. Harald Klingelhöller
2002 – 2004 Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes
2004 Landesgraduierten Stipendium des Landes Baden-Württemberg
2005/06 Stipendiat des Stipendiums Junge Kunst in Essen im Kunsthaus Essen
2008 Daniel-Henry-Kahnweiler-Förderpreis
2008 Heinrich-Vetter-Kunstpreis
Lebt und arbeitet in Mannheim