Taryn Simon

There Are Some

Who Are in Darkness

Works from the

Olbricht Collection,

Selected by the Artist

9. Nov. 2013 – 16. März 2014

Erstmalig in ihrer Zusammenschau präsentiert die amerikanische Künstlerin Taryn Simon Arbeiten aus ihren drei umfangreichen Werkreihen The Innocents, An American Index of the Hidden and Unfamiliar und A Living Man Declared Dead and Other Chapters I – XVIII der Öffentlichkeit. Die Künstlerin selbst hat diese Werkschau aus den herausragenden Beständen des Sammlers Thomas Olbricht zusammengestellt.

Das Zitat aus der englischen Fassung der Moritat von Mackie Messer, aus Berthold Brechts Dreigroschenoper steht dieser Ausstellung voran. Denn die Zeile beschreibt ein zentrales Motiv in der Arbeit der amerikanischen Künstlerin: die Sichtbarmachung von bisher Verborgenem.

International bekannt wurde die junge Fotografin Mitte des letzten Jahrzehnts mit ihrer Arbeit der Innocents (2002). Diese Serie inszenierter Porträts berichtet von Fällen von zu Unrecht verurteilter Menschen und stellt zugleich die Beweiskraft von Fotografie in Frage. Ihre Fortsetzung fand diese Untersuchung in den Aufnahmen von An American Index of the Hidden and Unfamiliar (2006/2007): Anhand unterschiedlichster Dinge, Orte und Institutionen des gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens, die in die Öffentlichkeit unbekannt oder verdrängt sind, erzählt diese Serie eine dialektische Geschichte des modernen Lebens in den USA. die den großen amerikanischen Mythen von Freiheit und Gleichberechtigung zu widersprechen scheint.

Ihre jüngste Werkgruppe A Living Man Declared Dead and Other Chapters (2011), die bereits in den großen Museen der Welt ausgestellt wurde, verbindet die individuelle Dimension menschlicher Schicksale, psychologische Disposition und Vererbung, mit den externen Faktoren sozialen Determinierung, wie Politik und Territorium, Abstammung und Klasse. Die große, weltweit recherchierte Saga aus achtzehn Kapiteln, von denen sechs in Essen zu sehen sein werden, berichtet auch von den historischen Verwerfungen und globalen Verflechtungen menschlicher Schicksale, die das 20. Jahrhundert hinterlassen hat.

Was Taryn Simons verschiedene Arbeiten gemeinsam haben, ist die Frage, wie die Fotografin die ,Dark Side of Life‘ beleuchtet, bisher Ungesehenes sichtbar macht und Unbesprochenes in den sozialen Diskurs einschleust. Das methodisch Spannende und Innovative all ihrer Werke liegt aber auch in der Art und Weise, wie die textliche Erzählung das Bild erweitert, wie Fotografie und Text zu einer untrennbaren Einheit werden. Damit gehört sie zu den wichtigsten Positionen eines erweiterten fotografischen Dokumentarbegriffs und findet eine Antwort auf den berühmten Vorwurf Bertolt Brechts an die Fotografie, das Medium verstünde nichts von den sozialen Zusammenhängen hinter dem Sichtbarem.