Ausstellungen
6 ½ Wochen – Ferdinand Waas
Ferdinand Waas beschäftigt sich in seinen Werken mit Realitäten, durch die geltende Normen und Werte der Europäischen Union hinterfragt werden. Sein Werk Ode to Joy / Ode an die Freude / ოდა სიხარულს zeigt einen Live-Mitschnitt der europäischen Hymne und den Fehlversuch des Künstlers, das Stück auf der Violine gemeinsam mit einem Streichquartett des Georgischen Kammerorchesters professionell aufzuführen. Während seines Aufenthalts in Tiflis untersuchte Waas die wachsende Präsenz europäischer Symbole im Vorfeld der georgischen Parlamentswahl 2024. Das Erlernen der Hymne fungiert im Werk als ein Akt europäischer Solidarität und ist ein Instrument zur Erforschung des kollektiven Gedächtnisses und der Identität vertriebener, im Exil lebender Künstler:innen.
An Apple a Day, the Border Is Still There untersucht die tatsächliche Durchlässigkeit europäischer Binnengrenzen für Waren und Personen. Die Videoarbeit dokumentiert Waas’ Weg von Nova Gorica (Slowenien) nach Gorizia (Italien) und zurück. Während er als Person an der Grenze aufgehalten und kontrolliert wird, passiert die Ware (der Apfel) die Grenze problemlos. Vor dem Hintergrund von Boykott-Aufrufen zahlreicher Supermärkte aufgrund drastischer Preissteigerungen führt Waas einen stillen Austausch als Akt des Widerstands durch: Ein Apfel wird in Slowenien erworben und unauffällig in einem italienischen Supermarkt zu den Äpfeln gelegt; ein italienischer Apfel wird wiederum nach Slowenien zurückgeführt und dort in eine Obstabteilung integriert.
One Night in Ibiza zeigt Waas sich selbst filmend auf einem nächtlichen Spaziergang durch den Party-Vorort Playa d’en Bossa in der Nachsaison. Die Arbeit reflektiert die Auswirkungen des Overtourism: Die touristische Infrastruktur ist auf eine größere Anzahl von Personen ausgelegt, als vor Ort beheimatet sind, und Geschäfte sowie Lokale orientieren sich an hedonistischen Bedürfnissen der Partyszene statt am täglichen Bedarf. Was zurückbleibt sind Müll, erschöpfte Servicekräfte und düstere Straßenzüge. Seit den 1970er-Jahren gilt Ibiza als Rückzugsort für britische Urlauber; bis heute bleibt die Insel trotz des Brexits ein beliebter Ferienort britischer Tourist:innen.
Waas arbeitet als Künstler und Vermittler. Seine Praxis basiert auf Begegnungen, Gesprächen, Aufzeichnungen, Erinnerungen und Dokumentationen, die er mit verschiedenen Medien erfasst. Indem er das oft Unsichtbare und Unbekannte nachzeichnet und erzählt und sich auf ausgewählte Ausschnitte konzentriert, entschlüsselt er gesellschaftliche Normen und hinterfragt festgelegte Standards.
Ferdinand Waas (*1998, Ingolstadt), studierte an der TU Wien Architektur, an der Universität Wien Sozial- und Kulturanthropologie, an der Athens School of Fine Arts und der Royal Academy of Art in Den Haag Bildende Kunst.
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