Pilotprojekt zur Digitalisierung des Museum Folkwang-Archivs abgeschlossen – Neue Lizenz ermöglicht rechtssichere Recherche

Das gemeinsam vom Museum Folkwang und Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv (HdEG) durchgeführte Pilotprojekt zur Digitalisierung historischer Museumsakten ist erfolgreich abgeschlossen. Rund 250 Akten aus dem Zeitraum von 1898 bis 1955 wurden zur dauerhaften Aufbewahrung an das HdEG übergeben und vor Ort digitalisiert. Ab sofort stehen die erstellten Digitalisate zur kostenlosen Online-Recherche für die (Provenienz-)Forschung und Interessierte zur Verfügung.

Mit der Digitalisierung und Veröffentlichung des Bestands wird ein bedeutender Quellenkorpus zur Geschichte des Museum Folkwang erstmals umfassend und ortsunabhängig zugänglich gemacht. Möglich wird dies durch eine eigens entwickelte Lizenz in Zusammenarbeit mit der Verwertungsgesellschaft VG Bild-Kunst, die eine rechtssichere Veröffentlichung erlaubt. Die Akten können ab jetzt ohne Schwärzungen eingesehen werden.

Der Bestand umfasst etwa 250 Akten und damit etwa 7,7 laufende Meter Archivmaterial. Darunter Korrespondenzen der Museumsdirektoren und Kurator:innen, Unterlagen zu Ankäufen, Verkäufen, Ausstellungen und Vermittlungsangeboten sowie Verwaltungsakten. Die Materialien bieten zentrale Einblicke in die Institutionsgeschichte des Museums, die Provenienzgeschichte seiner Sammlungen und die Biografien der verschiedenen Akteur:innen, insbesondere zahlreicher Künstler:innen. Korrespondenzen unter anderem mit Karl Ernst und Gertrud Osthaus, Ernst Gosebruch, Paul Signac, Ada und Emil Nolde, Helene und Christian Rohlfs oder Ernst Ludwig Kirchner eröffnen vielfältige Perspektiven auf die Netzwerke und Entwicklungen der Kunstwelt.

Inhaltlich dokumentieren die Akten die Entwicklung des Museums von den Anfängen des Kunstmuseum Essen über die 1920er-Jahre bis zu den Einschnitten während der Zeit des Nationalsozialismus. Auch der sogenannte Wiederaufbau nach 1945 sowie Rückführungen, Neuerwerbungen und bauliche Entwicklungen sind dokumentiert.

Der Bestand ist in Teilen über Volltextrecherche durchsuchbar. Die Benutzung der Digitalisate wird damit erheblich erleichtert. Der Bestand wird auf verschiedenen Archivportalen, wie dem Archivportal NRW, dem Archivportal D und der Europeana, überregional präsentiert. 

„Mit der Digitalisierung des Archivs des Museum Folkwang machen wir ein bedeutendes Stück Essener Kultur- und Stadtgeschichte dauerhaft und weltweit zugänglich“, so Oberbürgermeister Thomas Kufen. „Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, wie moderne Digitalisierung den Zugang zu Wissen erleichtert und zugleich unser kulturelles Erbe bewahrt. Besonders freut mich, dass mit der gemeinsam entwickelten Lizenzlösung erstmals eine rechtssichere und ungeschwärzte Online-Recherche möglich ist. Damit stärken wir nicht nur die Provenienzforschung, sondern auch Essen als Kultur- und Wissenschaftsstandort.“

Prof. Peter Gorschlüter, Direktor Museum Folkwang erklärt: „Die Digitalisierung der Folkwang-Akten ist ein wichtiger Schritt in der digitalen Strategie des Museum Folkwang, um mehr Transparenz und Zugänglichkeit für alle zu schaffen. Sie ermöglicht neue Formen der Vernetzung und eröffnet zusätzliche Wege in der Forschung.“

„Die Digitalisierung von Archivgut ist für die Archive eine neue komplexe Aufgabe, die technische, organisatorische und rechtliche Aspekte umfasst, sagt Claudia Kauertz, Leiterin Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv. Dabei bringt insbesondere die Veröffentlichung von noch urheberrechtlich geschützten Werken im Internet große rechtliche Herausforderungen mit sich, die in dem Pilotprojekt vom Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv erstmals gelöst werden konnten. Damit ist ein Meilenstein für die historische Forschung erreicht.“

Das Archiv Museum Folkwang

Im digitalisierten Archiv des Museum Folkwang befinden sich Archivalien aus den Jahren 1898 bis ca. 1955. Es handelt sich um: Korrespondenzakten der Museumsdirektoren und der einzelnen Museumskurator:innen, Akten zum Erwerb von Kunstwerken, Akten zur Konzeption, Organisation und Durchführung von Ausstellungen, Verwaltungsakten des Museums, Akten des Folkwang-Museumsverein, des Kunstmuseum Essen und des Kunstring Folkwang. Darüber hinaus enthält der Bestand wertvolle Informationen zur Provenienzforschung und Provenienzgeschichte der Institution und ihrer Programmatik, zur Biografie von Künstler:innen und zur Kunstgeschichte wie zum Kunstbetrieb des 20. Jahrhunderts.

Das Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv

Das Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv versteht sich als Zentrum für Stadtgeschichte. Seit seiner Eröffnung 2010 ist es mit seinen vier Säulen, dem Stadtarchiv, der historischen Dauerausstellung „Essen – Geschichte einer Großstadt im 20. Jahrhundert“, dem Erinnerungsort „Archiv Dr. Ernst Schmidt“ und der Fachbibliothek Stadt & Region die zentrale Anlaufstelle für die Essener Stadtgeschichte. Herzstück des Instituts ist das Stadtarchiv als Gedächtnis der Stadt Essen. Es bewahrt derzeit eine Überlieferung von etwa 10 Regalkilometern, die vom 13. bis ins 21. Jahrhundert reicht, und stellt diese für die Nutzung bereit. Dazu gehört auch der Archivbestand des Museum Folkwang.

Das Museum Folkwang, Essen

Das Museum Folkwang ist eines der renommiertesten deutschen Kunstmuseen mit einer herausragenden Sammlung der Malerei und Skulptur des 19. Jahrhunderts, der Klassischen Moderne und der Kunst nach 1945 sowie der Fotografie. Daneben beherbergt das Museum Folkwang umfassende Sammlungen zu Grafik, Archäologie, Weltkunst, Kunstgewerbe sowie das Deutsche Plakatmuseum. Besondere Beachtung erfährt das Museum Folkwang für sein internationales Ausstellungsprogramm.

Information

Zum Permalink des Museum Folkwang (Homepage: Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv, Tektonik)

 

Dokumente

Bildschirmaufnahme aus dem Bestand des digitalisierten Archivs
Akte Best. 1063 (Museum Folkwang), 93, 
Ansicht: Korrespondenz zwischen Ernst Gosebruch, Museum Folkwang und Ernst Ludwig Kirchner
Foto: Museum Folkwang

vlnr: Palent Kazani, Besucher, Christina Fehse, Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv (HdEG), Claudia Kauertz, Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv (HdEG) Oberbürgermeister Thomas Kufen, Mathilde Heitmann-Taillefer, Museum Folkwang Peter Gorschlüter, Museum Folkwang

Foto: Jens Nober

 

vlnr: Palent Kazani, Besucher, Christina Fehse, Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv (HdEG), Claudia Kauertz, Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv (HdEG) Oberbürgermeister Thomas Kufen, Mathilde Heitmann-Taillefer, Museum Folkwang Peter Gorschlüter, Museum Folkwang

Foto: Jens Nober

 

vlnr: Palent Kazani, Besucher, Christina Fehse, Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv (HdEG), Claudia Kauertz, Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv (HdEG) Oberbürgermeister Thomas Kufen, Mathilde Heitmann-Taillefer, Museum Folkwang Peter Gorschlüter, Museum Folkwang

Foto: Jens Nober

 

Media
Akten des Museum Folkwang

Akten des Museum Folkwang 
Foto: Carina Varrecchia, Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv (HdEG)