Deutsches Plakat Museum

Lucian Bernhard Priester [Hölzer], 1915

Lucian Bernhard
Priester [Hölzer], 1915
Farblithografie

Das Deutsche Plakat Museum ist einmalig in Deutschland und besitzt eine der größten Spezialsammlungen weltweit. 1974 wurde das Museum mit Hilfe privater Initiativen und Unterstützung aus der Wirtschaft als städtisches Museum gegründet. Seit 2008 ist es eine eigenständige Abteilung des Museum Folkwang, unterstützt von seinem Förderverein, dem Deutschen Plakat Forum e.V. Seit 2010 werden wechselnde Ausstellungen des Deutschen Plakat Museums im Museum Folkwang gezeigt.
Bitte beachten Sie, dass die Exponate des Deutschen Plakat Museums aus konservatorischen Gründen nicht permanent ausgestellt werden können.

GESCHICHTE

 

Auch wenn das Deutsche Plakat Museum erst 1974 gegründet wurde, hat es bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Es gibt zwei Traditionslinien, auf die sich das Museum berufen kann: Zum einen auf das Deutsche Museum für Kunst und Handel, das Karl Ernst Osthaus 1909 ins Leben gerufen hatte. Die darin versammelten kunstgewerblichen und gebrauchsgrafischen Arbeiten gehörten zu seinem Selbstverständnis in der Kunstbetrachtung, was in dieser Breite eine ungewöhnliche Kombination darstellte, war doch die Kunst strikt in „High and Low“ getrennt und bestimmte das Trennende die Definitionen. Anders im Folkwang Museum, wo bereits früh übergreifende Bemühungen um ein Gesamtkonzept zu sehen waren. Diese Betrachtungsweise erklärt bis heute die Sammlungsvielfalt, die sich nun auch wieder in der ständigen Ausstellung nachvollziehen lässt.

Zum anderen ist es die Folkwangschule für Gestaltung in Essen, die aus einem ganz anderen Blickwinkel zum Plakat kam. 1964 ergab sich die Möglichkeit, von einem Münchner Kunsthändler eine bedeutende Sammlung französischer Plakate aus den Jahren um 1900 zu erwerben. Aus der ursprünglichen Idee, Plakate als Anschauungsobjekte für das Studium zu sammeln, entwickelte sich der Impuls, ein Plakatmuseum zu gründen. Dies geschah zunächst über einen Verein, dann in Partnerschaft mit der Stadt Essen. Hier liegen die Wurzeln der Entwicklung hin zum Deutschen Plakat Museum.

Gleichwohl kann man die Inkorporation des Deutschen Plakat Museums in das Museum Folkwang im Jahre 2008 in gewisser Weise auch als Rückkehr, als „Missing Link“ bezeichnen, als Wiederkehr des Plakats in die Strukturen des Museum Folkwang. In jedem Fall beeinflusst diese neue Konstellation die Sammlungs- und Ausstellungsschwerpunkte. Neben den plakatspezifischen – thematischen oder monographischen – Ausstellungen kommt es immer auch dazu, dass das Plakat als Ergänzung oder als die andere Seite einer Medaille oder als thematische Variation zu anderen Ausstellungen zu sehen ist.

Mit dem Tod von Karl Ernst Osthaus im Jahr 1921 zerfiel sein Lebenswerk. Die Gemälde und Plastiken sowie, die Sammlungen der Grafik und Weltkunst wurden nach Essen verkauft, wo sie 1922 mit den Sammlungen des Essener Kunstmuseums zum Museum Folkwang zusammengeführt werden. Als wichtige Initiatoren und Organisatoren dieses Ankaufs dürften der damalige Direktor des Essener Kunstmuseums, Ernst Gosebruch (1872-1953), und der damalige Oberbürgermeister der Stadt Essen, Hans Luther (1879-1962; Amtszeit 1918-1922), gelten. In Hagen blieben allerdings die Bestände des Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe und die des Werkbundarchivs zunächst zurück. Max Creutz (1876-1932) kam 1922 aus Köln, wo er Direktor des dortigen Kunstgewerbemuseums war, um Direktor des Kaiser Wilhelm Museums in Krefeld zu werden. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Aufnahme von Gesprächen zur Übernahme der Sammlungen des Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe, die 1923 zum Abschluss gebracht werden konnten. Noch heute befinden sich diese Sammlungen in Krefeld. Die erste große Ausstellung mit historischen Plakaten nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland fand denn auch 1961 unter dem Titel „Die Jugend der Plakate“ in Krefeld statt. Organisiert wurde sie vom damaligen Direktor Paul Wember (1913-1987). Erst 1997 wurde wieder eine größere Auswahl aus der erworbenen Sammlung gezeigt.

1968 wurde eine große Ausstellung in der Villa Hügel präsentiert, zu der auch ein Katalog erschien: „Paris um 1900“. Organisiert wurde sie von Hermann Schardt (1912-1984) und Karl Heinz Feuerstein (1910-1987), beide Professoren, sowie von Carl Hundhausen (1893-1977), seinerzeit ebenfalls Dozent an der Folkwangschule und geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Vereins Villa Hügel e.V. Die Ausstellung wurde ein großer Erfolg. Als dann im gleichen Jahr in Warschau das erste nationale Plakatmuseum eröffnet wurde, entstand der dringliche Wunsch, ein solches Museum auch in Essen zu gründen. Zu diesem Zweck wurde 1969 der Verein Deutsches Plakat Museum e.V. ins Leben gerufen. Bereits 1974 enthielt die Sammlung rund 25.000 Plakate. Der Verein war mit dieser Masse überfordert und wandte sich an die Stadt Essen. 1974 erklärt sich die Stadt Essen dann, auch dank finanzieller Unterstützer aus der Wirtschaft wie z.B. durch Coca-Cola Deutschland (damaliger Hauptsitz Essen), bereit, das Deutsche Plakat Museum als städtisches Museum zu etablieren. Zum ersten Direktor wurde Frieder Mellinghoff (*1941) berufen, der dieses Amt bis zum Jahr 2002 ausübte. Einen ersten provisorischen Standort fand man im Haus Industrieform (Alte Synagoge). Hier zeigte auch der Verein bereits zahlreiche Ausstellungen.

Im Jahr 1981 wurde die Sammlung ins Zentrum der Stadt Essen verlagert. In Kellerräumen der Rathenaupassage fanden die Plakate ihren Platz, 1983 wurde die Galerie des Deutschen Plakat Museums in Räumlichkeiten des gleichen Gebäudes eröffnet. Bis zur Schließung 2002 fanden dort rund 150 Ausstellungen statt. Internationale Beachtung fanden vor allem die Triennalen. Die Sammlung wuchs – nahezu unbeherrschbar – schnell an. Die Kellerräume wurden bald zu klein, durch bauliche Veränderungen außerhalb der Räume konnte auch das Klima nicht mehr gehalten werden. 2002 wurde das Depot gesperrt und die DPM-Galerie geschlossen, doch nach gründlicher Vorbereitung wurde ab 2004 ein Notprogramm, zur Rettung der Sammlung, initiiert. Mit der Werkstatt Herzog-Wodtke Papierrestaurierung wurde ein Konzept erarbeitet und umgesetzt, was die Reinigung der Bestände, deren Neusortierung und den Umzug beinhaltete. 2005 übernahm René Grohnert (*1956) die Leitung des Deutschen Plakat Museums. Mit dem Neubau des Museum Folkwang sollte sich dann die Museumslandschaft in Essen tiefgreifend verändern und in deren Folge auch das Deutsche Plakat Museum in das neue Gebäude aufgenommen werden. Unter dem Museumsdirektor Hartwig Fischer (*1962) wurde Plakat Museum zur Abteilung des Museum Folkwang.

Die Sammlung bietet mit ihren rund 350.000 Objekten heute eine quantitative Grundlage, um aus ihr verschiedenste Profile und Qualitäten zusammenzustellen. Das Deutsche Plakat Museum hat sich als enormes Potenzial des Museum Folkwang erwiesen, das es weiterhin auszuloten und auszubauen gilt.

ÜBERBLICK

Die Sammlung enthält insgesamt mehr als 350.000 Plakate aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur. Dabei spannt sich der Bogen zeitlich von den Anfängen der Plakatentwicklung bis in die Gegenwart. Inhaltlicher Schwerpunkt ist die Dokumentation der deutschen Plakatentwicklung im europäischen Kontext. Die Sammlung beherbergt Blätter bekannter Künstler und innovativer Gestaltung ebenso wie Plakate als Dokumente der Alltagsgeschichte.

Schwerpunkte sind: frühe deutsche Plakate  (1880–1914),  Plakate der Weimarer Republik (1919–1933), DDR-(Kultur) Plakate (1949–989),  BRD-Plakate (1948–1989) sowie Plakate aus dem wiedervereinigten Deutschland (nach 1990). Historische gewachsene Sondersammlungen umfassen: Französische Plakate (um 1900), polnische (Kultur)Plakate  (1955–1995) sowie Schweizer (Kultur)Plakate  (1960–heute).

BILDANFRAGEN

Bildanfragen richten Sie bitte an www.artothek.de

KONTAKT

Leiter: René Grohnert
Sekretariat: N.N.
T +49 201 88 45 108
F +49 201 88 45 122
Rene.Grohnert@museum-folkwang.essen.de